NEWS







April 2024

Seltene Vogelart durch Bio-Weinbau bedroht?

Eine der umstrittensten Maßnahmen des ökologischen Weinbaus ist das Ausbringen von Kupfer zum Pflanzenschutz. So ist in den meisten EU-Staaten vorerst noch bis 2025 im Ökolandbau Kupfer als „Übergangslösung“ als Fungizid zugelassen. Jedoch ist bislang noch kein „echter fungizid wirkender Ersatzstoff“ gefunden worden und „die Marktreife neuer Präparate kann Jahre und Jahrzehnte dauern“, so ein Statement von Ecovin zur Kupfertagung 2022.

Nun legen erste Ergebnisse einer Studie in Rheinhessen den Verdacht nahe, dass der Einsatz von Kupfer im Weinberg ursächlich sein kann, dass der vom Aussterben bedrohte Steinschmätzer seiner Nahrungsgrundlage beraubt wird. In den Jahren 2010 – 2018 wurde die Weinbergslage „Gundersheimer Höllenbrand“, die nicht nur ein 108 Hektar großer Weinberg, sondern auch ein 600 Hektar großes Vogelschutzgebiet nach EU-Richtlinien ist, in einem aufwändigen Projekt flurbereinigt. Neben der Verbesserung der Agrarstruktur standen vor allem der Erhalt und die Verbesserung der ökologischen Verhältnisse durch Trockenmauern und der Schutz der bedrohten Vogelart Steinschmätzer im Vordergrund. „Der Schutz des Steinschmätzers war für die Flurbereinigung entscheidungsbestimmend“, so der Vorsitzende des Bauern- und Winzervereins Gundersheim, Adolf Dahlem.

Die Trockenmauern im Höllenbrand bieten dem Zugvogel, der in Deutschland nur noch wenige Brutplätze hat, gute Nistplätze, die umgebenden Weinberge galten lange als Grundlage für seine Hauptnahrungsmittel, Laufkäfer und Raupen. In den 1990er Jahren zählte man dort noch rund 150 Brutpaare, mittlerweile schätzt der Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu) die Zahl nur noch auf 25 Brutpaare.

Im vergangenen Jahr untersuchten die Insektenforscher Sabine Schwabe und Erik Opper das Nahrungsangebot des Steinschmätzers in der Weinlage. Um unabhängig zu bleiben und alle Winzer mitnehmen zu können bei ihrer Arbeit, machten sie ihre Studie ehrenamtlich und ohne Beauftragung. Rund 200 Stunden ehrenamtlicher Arbeit stecken in den kürzlich vorgestellten Ergebnissen. „Der Steinschmätzer sucht seine Nahrung ausschließlich am Boden“, so Schwabe. Während der zweiwöchigen Aufzucht der Nestlinge sei entscheidend, dass in einem Radius von bis zu 50 Metern um das Nest genügend weiche Raupen und Laufkäfer-Arten für den Nachwuchs zu finden sei.



Dem Nachwuchs des Steinschmätzers fehlt die Nahrung
Dem Nachwuchs des Steinschmätzers fehlt die Nahrung


An der Studie beteiligt waren vier Weingüter. Der einzige Bio-Betrieb arbeitet hierbei im Pflanzenschutz ausschließlich mit Kupfer und Schwefel, ähnlich arbeitet das zweite Weingut, das ab Mitte Mai wöchentlich Kupfer und Schwefel ausbringt. In beiden Betrieben wird nicht regelmäßig und selten gemäht. Im dritten Weingut wurde nur Mitte Juni und Ende Juli Kupfer und Schwefel ausgebracht, dafür regelmäßig gemulcht. Und im vierten Weingut erfolgte Anfang April eine Spritzung mit Glyphosat, danach wurden Kupfer, Schwefel und synthetische Mittel zum Pflanzenschutz verwendet. Zum Vergleich wurden ein 2.500 Quadratmeter großes Areal mit einer Blühmischung und einer Mahd im September sowie ein Weinberg im benachbarten Westhofen herangezogen.

Die Ergebnisse der Studie waren in vielerlei Hinsicht überraschend. Die Forscher zählten mehr als 7.740 verschiedene Insekten, davon 1.347 Laufkäfer. Also ist grundsätzlich ausreichend Nahrung für den Steinschmätzer vorhanden. Die nächste Überraschung: In der Menge und Anzahl der Laufkäferarten lag die mit Glyphosat behandelte Fläche deutlich vor den anderen. Das abgestorbene Pflanzenmaterial dient den Laufkäfern als Nahrung, das „begünstigt besondere Arten wie die Laufkäfer“, so Opper, „aber das geht auf Kosten der Biodiversität“. Alle Insektenarten wurden auf der mit Herbiziden behandelten Fläche am wenigsten nachgewiesen, insbesondere Heuschrecken. Auf der Ausgleichsfläche hingegen waren alle Insektenarten außer den Laufkäfern deutlich häufiger anzutreffen. In der zweiten Juni-Woche – mitten in der Brutzeit des Steinschmätzers – brach jedoch die Population der Laufkäfer dramatisch ein und erholte sich bis zum Ende der Vegetationszeit nicht mehr.

Gemeinsam mit den Winzern machten sich Erik Opper und Sabine Schwabe an die Ursachenforschung und wurden bald fündig. Rund eine Woche vor dem Einbruch der Zahlen begannen die Winzer mit dem Pflanzenschutz und „alle beteiligten Winzer haben dabei Kupfer eingesetzt“, berichtet Schwabe. Die bisher einzige Studie über Laufkäfer aus dem Jahr 1995 zeigte, dass Kupfer zu einer erhöhten Mortalität der Larven und zu eingeschränkten motorischen Fähigkeiten der erwachsenen Käfer führt.

„In Gesprächen mit den Beteiligten wurde klar, dass sich nicht nur der Anteil der Bio-Winzer erhöht hat, sondern auch konventionell arbeitende Weingüter öfter zu Kupfer und Schwefel greifen. Das könnte erklären, warum die Population seit 15 Jahren zurückgeht“, äußerte sich Opper vorsichtig. Andreas Huppert vom an der Studie beteiligten Weingut Huppert, der bereits Erfahrungen mit effektiven Mikroorganismen als Alternative zu gängigem Pflanzenschutz gesammelt hat und im kommenden Jahr ohne Kupfer arbeiten möchte, will aber Hitze und Witterung als Einflussgröße auf die Population nicht ausschließen. Dirk Emmich vom Weingut Neef-Emmich, in dessen Weinbergsflächen ebenfalls untersucht wurde, hält es ebenfalls für möglich, dass Kupfer die Ursache für den Rückgang ist. „Man weiß schon lange, dass Kupfer ein Problem ist – beispielsweise für Regenwürmer oder Mikroorganismen im Boden“, sagt er. Er hält es für falsch, dass niemand Kupfer als Pflanzenschutzmittel in Frage stellt.

Sabine Schwabe und Erik Opper treffen inzwischen Vorbereitungen zur zweiten Runde der Laufkäfer-Studie im Höllenbrand. Sie haben die Untersuchungsflächen erweitert, beispielsweise mit einer Fläche in einem Piwi-Weinberg mit bis zu 80 Prozent reduziertem Pflanzenschutz sowie mit einer konventionell bewirtschafteten Fläche, in der seit vielen Jahren synthetische Pflanzenschutzmittel, aber kein Kupfer zum Einsatz kommen. Verstärkung für den Versuchsaufbau haben sich die Forscher von der Universität Kaiserslautern geholt und beziehen neben den Bewirtschaftungsformen auch die Wetterdaten stärker in die Auswertung ein. Die Winzer unterstützen die Wissenschaftler dabei. So erklärt Andreas Huppert: „Ich habe ein starkes Interesse daran, für den Steinschmätzer etwas zu verbessern – und will mich gerne mitverändern.“



Gundersheimer-Hoellenbrand-II.jpg



Ein von der Blattrollkrankheit befallener Rebstock
Ein von der Blattrollkrankheit befallener Rebstock

April 2024

Neues Warnsystem für Rebkrankheiten

Vor kurzem startete ein neues Forschungsprojekt im Auftrag der EU, mit dem die Pflanzengesundheit im Weinberg überwacht und die Früherkennung von Schädlingen verbessert werden sollen. Mit modernster Solartechnologie und künstlicher Intelligenz soll das Überwachungssystem namens „Stella Pest Surveillance System“ Schädlinge erkennen und eine Strategie für Landwirte entwickeln, um damit den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Federführend ist hierbei das französische Institut für Rebe und

Wein (IFV) in Colmar. Im Mittelpunkt der Forschung stehen hierbei die Schwarzholz- und Blattrollkrankheit. Ziel ist die Winzer bereits bei ersten Symptomen von Rebkrankheiten zu warnen, damit diese schneller und effizienter eingedämmt werden können.

In einem ersten Schritt sollen hierzu vernetzte Insektenfallen und Kameras aufgestellt werden. Dazu sollen Satellitenbilder ausgewertet werden, über mehreren elsässischen Parzellen werden Drohnen eingesetzt und Winzer können in einer App alle Symptome von Bioschädlingen melden, auf die sie stoßen. Ab 2025 sollen die gesammelten Daten mit Hilfe von Modellen analysiert werden, die auf künstlicher Intelligenz basieren. „Die KI kann die Nutzer bei den ersten Anzeichen eines Befalls alarmieren und könnte daher eine vielversprechende Lösung sein, um diese beiden Krankheiten besser in den Griff zu bekommen“, erläutert die Wissenschaftlerin Séverine Coubard vom IFV. Zurzeit gibt es nur begrenzte Möglichkeiten diese Krankheiten einzudämmen, dies soll sich ändern, sobald die Forschungen in vier Jahren abgeschlossen sind und das System nutzbar ist. Finanziert wird das Projekt über das EU-Programm „Horizont Europa“ mit knapp 5 Millionen Euro, beteiligt sind insgesamt 14 Partnerorganisationen aus sieben Ländern.

April 2024

Neues Warnsystem für Rebkrankheiten

Vor kurzem startete ein neues Forschungsprojekt im Auftrag der EU, mit dem die Pflanzengesundheit im Weinberg überwacht und die Früherkennung von Schädlingen verbessert werden sollen. Mit modernster Solartechnologie und künstlicher Intelligenz soll das Überwachungssystem namens „Stella Pest Surveillance System“ Schädlinge erkennen und eine Strategie für Landwirte entwickeln, um damit den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Federführend ist hierbei das französische Institut für Rebe und Wein (IFV) in Colmar. Im Mittelpunkt der Forschung stehen hierbei die Schwarzholz- und Blattrollkrankheit. Ziel ist die Winzer bereits bei ersten Symptomen von Rebkrankheiten zu warnen, damit diese schneller und effizienter eingedämmt werden können.



Blattrollkrankheit.jpg


In einem ersten Schritt sollen hierzu vernetzte Insektenfallen und Kameras aufgestellt werden. Dazu sollen Satellitenbilder ausgewertet werden, über mehreren elsässischen Parzellen werden Drohnen eingesetzt und Winzer können in einer App alle Symptome von Bioschädlingen melden, auf die sie stoßen. Ab 2025 sollen die gesammelten Daten mit Hilfe von Modellen analysiert werden, die auf künstlicher Intelligenz basieren. „Die KI kann die Nutzer bei den ersten Anzeichen eines Befalls alarmieren und könnte daher eine vielversprechende Lösung sein, um diese beiden Krankheiten besser in den Griff zu bekommen“, erläutert die Wissenschaftlerin Séverine Coubard vom IFV. Zurzeit gibt es nur begrenzte Möglichkeiten diese Krankheiten einzudämmen, dies soll sich ändern, sobald die Forschungen in vier Jahren abgeschlossen sind und das System nutzbar ist. Finanziert wird das Projekt über das EU-Programm „Horizont Europa“ mit knapp 5 Millionen Euro, beteiligt sind insgesamt 14 Partnerorganisationen aus sieben Ländern.




April 2024

Rebsorten für Lagenweine aus Rheinhessen festgelegt

Mit dem Erntejahrgang 2026 gilt in Deutschland ein neues Weinbezeichnungsrecht. Grundlage hierfür ist die im Mai 2021 in Kraft getretene Änderung der deutschen Weinverordnung. Diese Novellierung wiederum basiert auf der europarechtlich gebotenen Veränderung des Weinbezeichnungsrechts, mit der der deutsche Gesetzgeber sich auch zu einer Änderung der bisherigen Qualitätsregelungen entschlossen hat nach dem Grundsatz: „Je kleiner die geografische Angabe, desto höher das Qualitätsversprechen“. Für die auf der höchsten Qualitätsstufe angesiedelten Weine, die Lagenweine, hat auf

Die Qualitätspyramide nach dem neuen deutschen Weinrecht
Die Qualitätspyramide nach dem neuen deutschen Weinrecht

der Agrarwintertagung der rheinhessische Weinbaupräsident Jens Göhring, die Entscheidung der rheinhessischen Schutzgemeinschaft bekanntgegeben, welche Rebsorten hierfür ab 2026 zugelassen sind.

Für Lagenweine aus Rheinhessen sind damit ab der Ernte 2026 die Rebsorten Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay, Spätburgunder und Silvaner zugelassen. Für Lagen-Prädikatsweine ab der Kategorie Beerenauslese, also auch Trockenbeerenauslese und Eiswein, sind alle Rebsorten zugelassen.

In der Pfalz sind sogar sieben Rebsorten für Lagenweine zugelassen, statt Silvaner sind hier Gewürztraminer und Dornfelder erlaubt. Bis einschließlich der Ernte 2025 dürfen Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung noch nach den bislang geltenden Regeln verkauft werden.




April 2024

Weinproduktion in Belgien auf Rekordniveau

Die Weinproduktion in Belgien hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekord aufgestellt. Die Weingüter des Landes haben im vergangenen Jahr 35.000 Hektoliter Wein erzeugt. Dies entspricht einem Anstieg um 550 Prozent in den letzten zehn Jahren. Die Rebfläche ist von 72 Hektar im Jahr 2006 auf 891 Hektar im Jahr 2023 gewachsen. In Belgien wird vor allem Schaumwein produziert (16.000 hl), gefolgt von weißem Stillwein (12.000 hl). Rot- und Roséwein sind mit 3.800 Hektoliter eine Nische, denn trotz des Klimawandels und der steigenden Temperaturen reifen die roten Trauben nicht immer ausreichend aus.  

Weinbau gibt es sowohl in Wallonien als auch in Flandern. Die Provinz Hennegau in Wallonien ist das größte Anbaugebiet in Belgien, in dem vor allem Schaumwein erzeugt wird, gefolgt von den Provinzen Limburg, Lüttich und Westflandern.




April 2024

Klimawandel gefährdet den Weinbau

Forscher haben mehr als 200 Studien auf die Folgen des Klimawandels für den Weinbau untersucht und kommen zu dem Schluss, dass 70 Prozent der weltweiten Weinbauregionen für den Weinbau ungeeignet werden könnten, sollte die globale Erwärmung über dem 2-Grad-Ziel liegen. Ein entsprechender Bericht wurde nun in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht. In bis zu 29 Prozent der bestehenden Weinbaugebiete könnten sich dem Bericht zufolge so extreme Klimabedingungen entwickeln, dass die Weinproduktion unmöglich würde. In weiteren 41 Prozent der Gebiete könne Weinbau nach „wirksamen Anpassungen“ weiterhin möglich sein.

Die traditionellen Weinbaugebiete liegen vor allem in mittleren Breiten wie Kalifornien, Südfrankreich, Nordspanien, Italien sowie Stellenbosch oder Mendoza. Dort ist das Klima warm genug, um die Traubenreife zu ermöglichen, und relativ trocken, um starke Krankheiten zu vermeiden, dabei ohne übermäßige Hitze. In diesen Regionen, deren Küsten- und Tieflandgebiete besonders von Hitze und Dürre betroffen sind, könnten sogar bis zu 90 Prozent der Weinberge verschwinden. Auf der anderen Seite könnten wärmere Temperaturen jedoch die Eignung für den Weinbau in anderen Regionen wie z.B. Washington State, Oregon, Tasmanien, Nordfrankreich und Südengland erhöhen. Der Grad dieser Veränderung hängt dabei stark vom tatsächlichen Temperaturanstieg ab, der Winzer kann sich jedoch durch geeignetes Pflanzenmaterial und Weinbergmanagement an ein gewisses Erwärmungsniveau anpassen.

Ergänzend hierzu können durch das zunehmende Auftreten von Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Starkregen oder Hagel neue Schädlinge und Krankheiten entstehen. Im Gegensatz dazu könnte die Weinproduktion in anderen Regionen von reduziertem Schädlings- und Krankheitsdruck profitieren.
















empty